Zum Inhalt springen
Advertisement

Sorge um Waffenruhe nach Israels Angriffen auf den Libanon

UN-Vertreter zeigen sich nach den schweren israelischen Luftangriffen auf Ziele im Libanon entsetzt. Die dortigen Behörden sprechen von insgesamt mehr als 250 Toten und fast 900 Verletzten.

schedule 09:01 visibility 56 Aufrufe
Sorge um Waffenruhe nach Israels Angriffen auf den Libanon
DW Deutsch Quelle: DW Deutsch

Die massiven israelischen Angriffe im Libanon gefährden nach den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres die seit der Nacht zum Mittwoch geltende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Guterres rief laut seinem Sprecher Stéphane Dujarric alle Kriegsparteien dazu auf, sämtliche Attacken unverzüglich einzustellen. Es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen wies darauf hin, bei den israelischen Luftangriffen seien "Hunderte Zivilisten, darunter Kinder, getötet oder verletzt" worden. Zivile Infrastruktur sei beschädigt worden. Man sei zutiefst beunruhigt über die steigende Zahl ziviler Opfer.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, sagte, das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen im Libanon sei "schlichtweg entsetzlich". Die Angriffe setzten "den fragilen Frieden, den die Zivilbevölkerung so dringend braucht, enorm unter Druck", so der österreichische Diplomat weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse rasch handeln.

Israel und USA: Libanon gehört nicht zur Waffenruhe-Abmachung

Nach Angaben der israelischen Regierung ist der Libanon von der zweiwöchigen Waffenruhe-Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran ausgenommen. US-Präsident Donald Trump und sein Vize JD Vance bestätigten dies am Mittwoch. Anders wird das in Teheran und beim Vermittler Pakistan gesehen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte dazu, den Libanon in die Feuerpause einzubeziehen. Ähnlich äußerte sich Großbritanniens Außenministerin Yvette Cooper. 

Israels Militär hatte in einem Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in Beirut. Die Hauptstadt erlebte die heftigsten Angriffe seit dem Beginn des Kriegs zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz. Die Miliz wird von Deutschland, den USA und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation gelistet.

Korrespondenten berichteten von zahlreichen eingestürzten Wohngebäuden im Libanon. In der Nacht zum Donnerstag gab es weitere israelische Luftangriffe auf das nördliche Nachbarland. Nach jüngsten Angaben der dortigen Behörden wurden bislang mehr als 250 Menschen getötet. Außerdem gebe es fast 900 Verletzte. Unter den Opfern seien zahlreiche Zivilisten, darunter Kinder.

Das israelische Militär teilte mit, Ziele seien Kommandeure und militärische Infrastruktur der Hisbollah gewesen. Bei einem Angriff wurde laut Armee auch der Neffe des Hisbollah-Chefs Naim Kassim getötet.

Die Schiiten-Miliz beschoss nach eigenen Angaben als Reaktion in der vergangenen Nacht den Kibbuz Manara im Norden Israels. Die Gegenangriffe würden solange fortgesetzt, bis die "isralisch-amerikanische Aggression" aufhöre, heißt es in einer Erklärung der Hisbollah.

Iran zweifelt an Sinnhaftigkeit der Verhandlungen mit den USA

Indessen stellt der Iran die vereinbarte Feuerpause grundsätzlich infrage. Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", machte Außenminister Abbas Araghtschi deutlich.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf warf der US-Regierung mit Blick auf den Libanon vor, noch vor Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen Zusagen gebrochen zu haben. Auch Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die israelischen Angriffe in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif als unvereinbar mit der Waffenruhe-Abmachung.

Am Freitag sollen eigentlich in Islamabad Gespräche über ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran aufgenommen werden. Hierzu werden Delegationen aus beiden Ländern in der pakistanischen Hauptstadt erwartet.

Trump droht dem Iran ein weiteres Mal mit martialischen Worten

US-Präsident Trump drohte der iranischen Führung mit neuer militärischer Eskalation, falls es kein umfassendes Abkommen geben sollte. Auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt er, Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden - gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung - rund um den Iran stationiert bleiben, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, so Trump weiter.

Unklar ist derzeit auch, wann der Iran die de facto blockierte Straße von Hormus wieder freigibt. Über die Wasserstraße am Persischen Golf erfolgt in Friedenszeiten täglich etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte.

In einer vom iranischen Staatssender IRIB verbreiteten Mitteilung der Hafenbehörde heißt es, wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden - der Elitestreitmacht des Landes - abstimmen und ausgewiesene Ausweichrouten benutzen. Am Mittwochabend hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, der Iran habe den Schiffsverkehr durch die Meerenge nach den Angriffen auf den Libanon aus Protest wieder eingestellt. Nur zwei Öltanker hätten die Wasserstraße seit Beginn der Waffenruhe passiert.

se/AR/jj (dpa, afp, rtr, ap, ARD)

DW Deutsch

Ursprünglich bei

DW Deutsch

open_in_new Vollständigen Artikel lesen

Verwandte Artikel

Muslimas bekämpfen das Patriarchat mit dem Koran
Welt

Muslimas bekämpfen das Patriarchat mit dem Koran

Muslima und gleichzeitig Feministin? Für muslimische Feministinnen in der Türkei ist das kein Widerspruch. Sie kämpfen mit religiösen Argumenten gegen Gewalt und Diskriminierung - und für gleiche Rechte.

DW Deutsch
Iran im Krieg: Stabilität trotz maximalem Druck?
Welt

Iran im Krieg: Stabilität trotz maximalem Druck?

100 Tage nach dem Krieg wirkt die Islamische Republik stabil. Doch unter der Oberfläche verschärfen sich die sozialen und wirtschaftlichen Krisen des Landes und die staatlichen Repressionen nehmen zu.

DW Deutsch

Weiterlesen

Verliert Selenskyj einen Orden - und Polens Sympathie?
Welt

Verliert Selenskyj einen Orden - und Polens Sympathie?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit einer Soldatenehrung Empörung in Polen ausgelöst. Präsident Karol Nawrocki will ihm den höchsten Orden Polens aberkennen. Kann Premier Donald Tusk die Wogen glätten?

DW Deutsch
Iran-Gespräche wegen neuer Kämpfe auf der Kippe
Welt

Iran-Gespräche wegen neuer Kämpfe auf der Kippe

Nach Äußerungen über eine mögliche Einstellung der Angriffe zwischen Israel und Hisbollah schien ein Abkommen im US-israelischen Krieg wieder einmal greifbar. Doch wegen neuer Kämpfe droht der Iran mit Gesprächsabbruch.

DW Deutsch
CDU und Grüne beleben die "Pizza-Connection" neu
Welt

CDU und Grüne beleben die "Pizza-Connection" neu

Vor 30 Jahren entstand mit der "Pizza-Connection" ein ungewöhnliches Forum für den Austausch zwischen Konservativen und Grünen. Jetzt wird das Format in veränderter politischer Lage wieder aufgenommen.

DW Deutsch
Hat Europa eine Antwort auf Instagram, Tiktok & Co.?
Welt

Hat Europa eine Antwort auf Instagram, Tiktok & Co.?

Undurchsichtige Algorithmen, zu wenig Jugendschutz, viel Hate Speech und Desinformation: Soziale Medien aus den USA und China stehen in Europa seit Langem in der Kritik. Deshalb will man eigene Wege gehen - bloß wie?

DW Deutsch