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Zwischen Fakten und Fassade: Ist der "Dubai-Traum" am Ende?

Luxus, Sonne, Sicherheit - das war das Versprechen Dubais. Doch seit dem Iran-Krieg fragen sich Viele: Ist diese Illusion endgültig vorbei?

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Zwischen Fakten und Fassade: Ist der "Dubai-Traum" am Ende?
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In vielen Medien wird bereits das Ende des "Dubai-Traums" ausgerufen. Jahrelang galt das Emirat als Zufluchtsort für Wohlhabende und Auswanderer: steuerfrei, luxuriös, sicher - ein Gegenentwurf zu den Unwägbarkeiten der Region. Doch der Iran-Krieg hat dieses Bild ins Wanken gebracht.

"Das Auseinanderfallen Dubais als sicherer Hafen", will das US-Magazin The New Yorker beobachtet haben. "Ist das das Ende Dubais?", fragte ein Kolumnist der New York Times. Die britische Daily Mail wiederum beobachtet mit unverhohlener Genugtuung, wie Influencer ihre glanzvollen Leben im scheinbar krisenfesten Emirat aufgeben und spricht vom "großen Dubai-Exodus" und davon, dass die "glitzernde, steuerfreie Influencer-Fantasie zerbricht".

Ein Teil dieser Entwicklung sind offene Repressionen: Influencer und andere Personen wurden festgenommen, weil sie Bilder von Schäden durch iranische Angriffe verbreitet haben sollen. Die Rechtsberatungsorganisation Detained in Dubai geht davon aus, dass mehr als 100 Menschen, darunter auch Europäer, wegen Verstoßes gegen Cybercrime- oder Sicherheitsgesetze verhaftet wurden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen hohe Geldstrafen oder mehrjährige Haft.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat der Iran seit Beginn des Krieges mehr als 2200 Drohnen und über 500 ballistische Raketen auf das Land abgefeuert. Einige Angriffe sollen den Flughafen von Dubai sowie Wohngebäude und Hotels getroffen haben. Gleichzeitig bemühen sich die Behörden, Normalität zu demonstrieren.

Führungspersönlichkeiten in Dubai besuchen Einkaufszentren, Geschäfte sollen geöffnet bleiben und weiterarbeiten. Staatliche Medien und einflussreiche Social-Media-Accounts verbreiten die Botschaft: Das Leben geht weiter, Dubai bleibt sicher.

Gibt es den "Dubai Traum" noch?

Unstrittig ist, dass Dubai wirtschaftlich erheblichen Schaden erlitten hat. Das Emirat ist das zweitgrößte der sieben zu den VAE zählenden Emirate. Der Großteil der Ölreserven - rund 96 Prozent - liegt allerdings im Emirat Abu Dhabi. Dubais Wirtschaft hängt dagegen stark von nicht-ölbasierten Sektoren ab: Tourismus, Finanzdienstleistungen, Technologie, Immobilien und Logistik.

Dubai zählt rund 3,8 Millionen Einwohner, von denen nur etwa zehn Prozent Emiratis sind. Das Wachstum der vergangenen Jahre wurde maßgeblich durch Zuwanderung getragen - durch Arbeitskräfte, Investoren und Touristen.

"Die Expat-Bevölkerung ist zentral für die wirtschaftliche Entwicklung", stellte bereits 2021 eine Analyse des Arab Gulf States Institute fest. Entsprechend hätten Abwanderungen "überproportionale wirtschaftliche Auswirkungen".

Konkrete Zahlen dazu, wie viele Ausländer Dubai seit Beginn der Angriffe verlassen haben, gibt es nicht. In Berichten ist jedoch von Zehntausenden die Rede . Auch der Tourismus ist stark eingebrochen: Branchenvertreter berichten von Rückgängen um bis zu 80 Prozent. Die Hotelauslastung sei deutlich gesunken.

Weitere Bereiche sind ebenfalls betroffen: Der Leitindex der Börse von Dubai verlor seit Kriegsbeginn rund 16 Prozent. Finanzunternehmen ließen Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten oder evakuierten sie sogar teilweise. Immobilienpreise sind gefallen, Kaufinteressenten ziehen sich zurück.

Staatliche Gegenmaßnahmen

Die Regierung versucht gegenzusteuern. Ein Maßnahmenpaket im Umfang von rund 272 Millionen Dollar soll die Wirtschaft stabilisieren. Dazu gehören Zahlungsaufschübe für staatliche Gebühren, etwa im Tourismussektor, und Zollerleichterungen. Zudem sollen Programme den Tourismus nach Kriegsende wieder ankurbeln. Berichten zufolge erwägen die Behörden auch, Steuer- und Aufenthaltsregeln für Ausländer zu lockern, um Rückkehrer anzuziehen.

"Dubai war eine der ersten Regierungen in der Region, die ein umfassendes wirtschaftliches Unterstützungsprogramm aufgelegt haben", sagt Robert Mogielnicki vom Arab Gulf States Institute. Angesichts der Angriffe und der Bedeutung der nicht-ölbasierten Wirtschaft habe Dubai schnell reagieren müssen.

Viele Experten sehen dennoch gute Chancen dafür, dass Dubai sich erholt. "Dubais Wirtschaft ist hart getroffen, aber eine Rückkehr zur Normalität ist möglich", so Mogielnicki. "Ein angepasstes Dubai in einer neuen regionalen Ordnung ist durchaus vorstellbar."

Auch Karen Young von der Columbia University ist optimistisch: "Dubai wird immer ein regionales Zentrum bleiben. Es steht für wirtschaftliche Freiheit, Luxus und verlässliche staatliche Strukturen - etwas, das viele Menschen in der Region in ihren Heimatländern nicht erleben."

Ähnlich äußert sich Martin Henkelmann von der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer: "Die Kernstärken der VAE bleiben weiterhin bestehen. Selbst angesichts der aktuellen Herausforderungen sind die VAE bestens aufgestellt, um sich schnell zu erholen und ihren Wachstumskurs fortzusetzen." Voraussetzung sei allerdings ein rasches Ende des Konflikts.

Ein erster Frühindikator stützt diese Einschätzung: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die VAE sank im März zwar von 54,6 auf 53,2 Punkte, liegt damit aber weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50.

"Der nicht-ölbasierte Privatsektor wurde durch den Krieg gebremst", erklärte S&P-Ökonom David Owen. "Gleichzeitig sind die Auftragsbücher vieler Unternehmen aber stabil geblieben, und die Produktion ist weiter gewachsen."

Doch neben den messbaren wirtschaftlichen Schäden gibt es auch immaterielle Verluste: Imageschäden durch Bilder brennender Luxushotels und Berichte über Verhaftungen in einem autoritär geführten Land. Diese könnten langfristiger wirken.

Für Dubai steht damit mehr auf dem Spiel als kurzfristige Wirtschaftsdaten. Es geht um das zentrale Versprechen, das den Aufstieg des Emirats getragen hat: Stabilität in einer oft instabilen Region. Ob dieses Versprechen glaubhaft ist, dürfte entscheidend dafür sein, ob der "Dubai-Traum" zurückkehrt - oder dauerhaft an Strahlkraft verliert.

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