Zum Inhalt springen
Advertisement

USA und Iran beenden Friedensverhandlungen ohne Einigung

Nach 21 Stunden Verhandlungen bleiben zentrale Differenzen ungelöst. Vor allem im Streit um das iranische Atomprogramm konnte kein Durchbruch erzielt werden. Beide Seiten weisen sich gegenseitig die Schuld zu.

schedule 05:09 visibility 92 Aufrufe
USA und Iran beenden Friedensverhandlungen ohne Einigung
DW Deutsch Quelle: DW Deutsch

Präsident Donald Trump hat eine Seeblockade der Straße von Hormus durch die US-Marine angekündigt. Die Navy werde alle Schiffe an der Ein- oder ‌Ausfahrt der Wasserstraße hindern, schreibt Trump am Sonntag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Zudem ​habe er die Marine angewiesen, jedes Schiff in internationalen Gewässern aufzubringen, ​das eine Gebühr an den Iran gezahlt habe. "Niemand, der ​eine illegale Maut zahlt, wird auf hoher See eine sichere Durchfahrt haben", fügt er hinzu.

Trump begründete den Schritt mit Drohungen aus Teheran und sprach von "Welterpressung". Der Iran habe erklärt, es könnten Minen in der Meerenge liegen. Zugleich stellte der US-Präsident in Aussicht, die Blockade könne wieder gelockert werden, sollte die Durchfahrt für alle Schiffe uneingeschränkt möglich sein.

Trump: "... wird zur Hölle gejagt"

Der US-Präsident drohte zudem ein weiteres Mal dem Iran. "Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche ‌Schiffe ​schießt, wird zur Hölle gejagt", so Trump.

Die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ​ist eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt, insbesondere für den globalen Öl- und Flüssiggashandel. Der Iran gehört zu den größten Ölproduzenten der Welt. Dementsprechend ist die Meerenge auch für Teheran enorm wichtig, um seine Ölexporte an die internationalen Märkte zu bringen.

Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Ziele im Iran am 28. Februar haben nur sehr wenige Frachter die Straße von Hormus passieren können. Dies löste einen weltweiten Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise aus. 

Knackpunkt ist das iranische Atomprogramm

Zuvor waren die mit Spannung erwarteten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan vorerst gescheitert. US-Vizepräsident JD Vance erklärte vor seinem Abflug aus der Hauptstadt Islamabad vor Journalisten, insbesondere habe der Iran keine verbindliche Zusage zum Verzicht auf Atomwaffen abgegeben. "Tatsache ist, wir brauchen ein ausdrückliches Bekenntnis , dass sie nicht nach der Atomwaffe streben", sagte Vance. Dies müsse auch "langfristig" gelten. "Das haben wir noch nicht gesehen. Wir hoffen, dass wir es sehen werden."

Die US-Delegation verlasse Pakistan, nachdem sie Teheran ein "letztes und bestes Angebot" unterbreitet habe, sagte Vance nach dem Verhandlungsmarathon. "Wir werden sehen, ob die Iraner es akzeptieren."

Bei den insgesamt 21-stündigen Gesprächen habe es "bedeutende Diskussionen mit den Iranern" gegeben, so Vance. "Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass wir zu keiner Einigung gekommen sind. Und ich denke, für den Iran sind das viel schlechtere Nachrichten als für die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir kehren also in die USA zurück, ohne eine Einigung erzielt zu haben."

Die USA werfen dem Iran seit Langem vor, Atomwaffen anzustreben. Teheran weist dies zurück und betont, Uran ausschließlich für zivile Zwecke anzureichern.

Iran macht die USA für das Scheitern verantwortlich

Kurz nach seiner Erklärung verließ Vance Pakistan an Bord der Air Force Two. Der Iran wiederum machte die USA für das Scheitern verantwortlich. Washington habe die Gespräche mit "unzumutbaren Forderungen" belastet, berichtete das iranische Staatsfernsehen. 

Die Gespräche hatten am Samstag unter Vermittlung Pakistans begonnen. Auf US-Seite nahmen neben Vance auch der Sondergesandte Steve Witkoff sowie US-Präsident Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teil. Den Iran vertraten unter anderen Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi.

Pakisten vermittelte bereits eine Waffenruhe

Nach mehr als fünf Wochen Krieg hatten die USA und der Iran unter pakistanischer Vermittlung in der Nacht zum Mittwoch eine zweiwöchige Feuerpause vereinbart. In diesem Zeitraum soll über ein dauerhaftes Ende des Kriegs verhandelt werden. Nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche in Islamabad rief Pakistans Regierung beide Seiten dazu auf, die Waffenruhe weiter einzuhalten.

se/hf/pgr (afp, dpa, rtr, ap)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

DW Deutsch

Ursprünglich bei

DW Deutsch

open_in_new Vollständigen Artikel lesen

Verwandte Artikel

Muslimas bekämpfen das Patriarchat mit dem Koran
Welt

Muslimas bekämpfen das Patriarchat mit dem Koran

Muslima und gleichzeitig Feministin? Für muslimische Feministinnen in der Türkei ist das kein Widerspruch. Sie kämpfen mit religiösen Argumenten gegen Gewalt und Diskriminierung - und für gleiche Rechte.

DW Deutsch
Iran im Krieg: Stabilität trotz maximalem Druck?
Welt

Iran im Krieg: Stabilität trotz maximalem Druck?

100 Tage nach dem Krieg wirkt die Islamische Republik stabil. Doch unter der Oberfläche verschärfen sich die sozialen und wirtschaftlichen Krisen des Landes und die staatlichen Repressionen nehmen zu.

DW Deutsch

Weiterlesen

Verliert Selenskyj einen Orden - und Polens Sympathie?
Welt

Verliert Selenskyj einen Orden - und Polens Sympathie?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit einer Soldatenehrung Empörung in Polen ausgelöst. Präsident Karol Nawrocki will ihm den höchsten Orden Polens aberkennen. Kann Premier Donald Tusk die Wogen glätten?

DW Deutsch
Iran-Gespräche wegen neuer Kämpfe auf der Kippe
Welt

Iran-Gespräche wegen neuer Kämpfe auf der Kippe

Nach Äußerungen über eine mögliche Einstellung der Angriffe zwischen Israel und Hisbollah schien ein Abkommen im US-israelischen Krieg wieder einmal greifbar. Doch wegen neuer Kämpfe droht der Iran mit Gesprächsabbruch.

DW Deutsch
CDU und Grüne beleben die "Pizza-Connection" neu
Welt

CDU und Grüne beleben die "Pizza-Connection" neu

Vor 30 Jahren entstand mit der "Pizza-Connection" ein ungewöhnliches Forum für den Austausch zwischen Konservativen und Grünen. Jetzt wird das Format in veränderter politischer Lage wieder aufgenommen.

DW Deutsch
Hat Europa eine Antwort auf Instagram, Tiktok & Co.?
Welt

Hat Europa eine Antwort auf Instagram, Tiktok & Co.?

Undurchsichtige Algorithmen, zu wenig Jugendschutz, viel Hate Speech und Desinformation: Soziale Medien aus den USA und China stehen in Europa seit Langem in der Kritik. Deshalb will man eigene Wege gehen - bloß wie?

DW Deutsch