Beim Halbmarathon in Chinas Hauptstadt Peking haben humanoide Roboter erstmals die menschliche Konkurrenz klar hinter sich gelassen. Der schnellste autonome Roboter aus dem Team des Smartphone-Herstellers Honor bewältigte die 21 Kilometer lange Strecke in 50 Minuten und 26 Sekunden und unterbot damit den menschlichen Weltrekord deutlich.
Zum Vergleich: Der ugandische Langstreckenläufer Jacob Kiplimo hatte erst im März in Lissabon mit 57 Minuten und 20 Sekunden eine neue Bestmarke aufgestellt. Mehrere Roboter lagen in Peking klar unter dieser Zeit und erreichten das Ziel teils mehr als zehn Minuten vor den besten menschlichen Läufern.
Besonders spektakulär verlief das Rennen für das Modell "Blitz". Eine ferngesteuerte Version überquerte zwar zunächst als Erste die Ziellinie, trotz eines Sturzes kurz vor dem Ende. Weil das Regelwerk für ferngesteuerte Roboter aber Extrazeit aufschlägt, wurde die Zeit auf rund 57 Minuten korrigiert. Den offiziellen Sieg sicherte sich daher die autonome Variante desselben Modells.
Um Zusammenstöße zu vermeiden, liefen die Maschinen und die rund 12.000 menschlichen Teilnehmer auf getrennten, parallelen Strecken.
Rasante Fortschritte innerhalb eines Jahres
Das Rennen verdeutlicht die enorme Geschwindigkeit, mit der sich die Technologie entwickelt. Noch im Vorjahr benötigte der schnellste Roboter "Tiangong Ultra" mehr als zwei Stunden und 40 Minuten für die gleiche Distanz und lag damit weit hinter den menschlichen Spitzenläufern. Viele Maschinen erreichten damals aufgrund technischer Probleme nicht einmal das Ziel.
Auch die Beteiligung hat sich massiv verändert: Statt rund 20 Teams im Jahr 2025 nahmen diesmal mehr als 100 Entwicklergruppen aus Unternehmen und Hochschulen teil. Zudem bewegte sich inzwischen fast die Hälfte der Roboter vollständig autonom, während sie im Vorjahr überwiegend ferngesteuert waren.
Zwischen Spektakel und Stresstest
Der Wettbewerb wirft jedoch auch Fragen auf: Handelt es sich um einen PR-Stunt oder um echten wissenschaftlichen Fortschritt?
Für Lorenzo Masia von der Technischen Universität München ist die Antwort eindeutig. Der Halbmarathon sei ein anspruchsvoller Härtetest: "Eine Distanz von 21 Kilometern zu bewältigen, erfordert nicht nur effiziente Fortbewegung, sondern auch Robustheit, Energiemanagement, thermische Stabilität sowie zuverlässige Wahrnehmung und Steuerung über längere Zeiträume."
Solche Langstreckenläufe zwängen Entwickler dazu, zentrale Herausforderungen anzugehen, etwa Batterieleistung, Haltbarkeit von Antriebssystemen und Fehlertoleranz.
China treibt die Entwicklung sogenannter "verkörperter Künstlicher Intelligenz" gezielt voran, um international eine führende Rolle einzunehmen. Humanoide Roboter sind dort bereits regelmäßig auf Messen und in Fernsehshows zu sehen, als Tänzer, Boxer oder Showacts.
Auch international wächst das Interesse: Selbst politische Spitzen verfolgen die Entwicklung aufmerksam. So besuchte etwa Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer China-Reise den Robotik-Pionier Unitree.
Perspektiven jenseits der Rennstrecke
Trotz des spektakulären Erfolgs sehen Experten den Nutzen solcher Wettkämpfe nicht im sportlichen Wettbewerb selbst. "Es geht hier nicht darum, wer schneller rennen kann, sondern wer nützlichen Robotern immer näher kommt", sagt der chinesische Digitalexperte Liu Xingliang.
Mögliche Einsatzgebiete liegen vor allem im Alltag und in gefährlichen Umgebungen: Roboter könnten künftig ältere Menschen im Haushalt unterstützen oder bei Rettungseinsätzen und Bränden helfen, wo menschliche Kräfte an ihre Grenzen stoßen.