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Nigeria setzt auf britische Hafeninvestitionen

Große Hoffnungen ruhen auf der Modernisierung der Häfen Apapa Quays und Tin Can Island. Es bestehen jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Korruption und der seit langem bestehenden Engpässe in Nigerias Häfen.

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Nigeria setzt auf britische Hafeninvestitionen
DW Deutsch Quelle: DW Deutsch

Als Nigerias Präsident Bola Tinubu vor Kurzem auf Staatsbesuch im Vereinigten Königreich weilte, gab es große Neuigkeiten: Britische Investoren und die Regierung erklärten sich bereit, bei der Renovierung der wichtigsten nigerianischen Häfen zu helfen.

Dazu gehören die beiden Häfen von Lagos: Die Apapa Quays, die vor einem Jahrhundert gebaut wurden, als das westafrikanische Land noch eine britische Kolonie war, und der westlich angrenzende Tin-Can-Island-Hafen, der in den 1970er-Jahren angeschlossen wurde.

Adegboyega Oyetola, der Minister für Meeresangelegenheiten und blaue Wirtschaft, pries die Vereinbarung als "transformativ": Insgesamt sollen 746 Millionen Pfund (860 Millionen Euro) investiert werden, unterstützt durch die britische Behörde für Exportfinanzierung. Oyetola erklärte, dass die Modernisierung der Häfen "den Grundstein für eine neue Ära der Effizienz, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit des nigerianischen Hafensystems" legen werde.

Mit dem Projekt will Nigeria die Abfertigungszeiten für Schiffe deutlich senken. Auch bei der Verweildauer der umgeschlagenen Ware in den Häfen gibt es deutlichen Verbesserungsbedarf: Die liegt derzeit im Durchschnitt bei 18 bis 21 Tagen - weit über dem Richtwert von etwa vier Tagen.

Die beiden Häfen sind die verkehrsreichsten in Nigeria und wickeln mehr als zwei Drittel des Warenverkehrs ab. Doch seit vielen Jahren behindern Staus, Verzögerungen und hohe Transaktionskosten, einschließlich Erpressung entlang der Hafenkorridore, die Unternehmen - und tragen zu steigenden Preisen bei.

Die zuständigen Behörden verwiesen stets darauf, dass eine modernisierte, digitale Infrastruktur und erweiterte Kapazitäten die seit Langem bestehenden Engpässe beseitigen würden. Doch Analysten sehen viel tiefgreifendere Probleme.

Nigerias knarzende Hafeninfrastruktur

Nigerias Häfen wickeln den größten Teil der Ein- und Ausfuhren des Landes ab und sind damit von zentraler Bedeutung für die Volkswirtschaft. Das Land verfügt über sieben große Seehäfen, wobei über 80 Prozent der Einfuhren über die Häfen von Lagos abgewickelt werden.

Die verfallende Infrastruktur, flache Kanäle, die die Schiffsgröße begrenzen, hohe Sicherheitskosten und bürokratische Verzögerungen zwingen die Importeure häufig dazu, effizientere Häfen in den Nachbarländern Benin, Togo und Ghana zu nutzen. Und das, obwohl Nigeria mit 853 Kilometern eine deutlich längere Küstenlinie als seine regionalen Nachbarn und eine um ein Vielfaches größere Bevölkerung hat. Zum Vergleich: Ghana verfügt über 560 Kilometer Küste, Benin über 121 Kilometer und Togo über nur 56 Kilometer.

Lokalen Medienberichten zufolge verliert Nigeria täglich etwa 11 Millionen Euro aufgrund unzureichender Infrastruktur und ineffizienter Systeme in seinen Häfen, insbesondere in den Apapa Quays und dem Tin-Can-Island-Hafen.

"Derzeit werden die nigerianischen Häfen eher als teure Engpässe denn als effiziente Einfallstore betrachtet", sagt Ikemesit Effiong, geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsfirma SBM Intelligence, der DW. Die Infrastruktur sei ein echtes Problem, aber die Kernprobleme seien systemischer Natur: "Wir können Korruption, bürokratisches Rent-Seeking oder die Kartelle, die den Zugang für Lkw kontrollieren, nicht aus dem Weg räumen."

Großes Investitionsabkommen zwischen Nigeria und Großbritannien

Minister Adegboyega Oyetola sagte, dass das Abkommen die Häfen mit digitalisierten und automatisierten Prozessen aufrüsten werde, um eine schnellere Abfertigung von Importen und Exporten zu ermöglichen und gleichzeitig "Liegegebühren und Logistikkosten für Unternehmen zu reduzieren".

Doch auch die Vertragspartner profitieren: So sollen britische Unternehmen mindestens 272 Millionen Euro verdienen. Allein British Steel erhält einen Vertrag über die Lieferung von 120.000 Tonnen Stahlknüppeln im Wert von rund 80 Millionen Euro. Kritiker, darunter die Oppositionspartei Afrikanischer Demokratischer Kongress (ADC), sind der Meinung, dass das Abkommen unverhältnismäßig zugunsten Großbritanniens ausfällt.

Der Analyst Ikemesit Effiong weist jedoch darauf hin, dass die Vorteile für Nigeria davon abhängen, "ob wir tatsächlich die operative Souveränität haben, um sicherzustellen, dass die Häfen unseren Handelsinteressen dienen, und ob der Betrieb so verwaltet wird, dass er unseren Handels-, Export- und Importinteressen Rechnung trägt, anstatt nur eine weitere konzessionierte Cash Cow zu werden".

Werden britische Investitionen die nigerianischen Häfen sanieren?

Manche Analysten zeigen sich hoffnungsvoll, dass eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts einen großen Einfluss auf die nigerianische und westafrikanische Wirtschaft haben könnte.

"Nigeria hat die Marktgröße, den Standort und das Handelspotenzial, um ein wichtiges Logistikzentrum in Westafrika zu werden", sagt Victor Ejechi, ein in Lagos ansässiger Analyst, im DW-Gespräch. Aber die Häfen seien diesem Anspruch bisher nicht wirklich gerecht geworden.

"Wenn etwa die Häfen von Lagos effizienter werden und wir berechenbarere und weniger überlastete Häfen haben, werden wir wettbewerbsfähiger", so Ejechi. Seiner Meinung nach könnte ein effizientes Hafensystem das Land in ein regionales Drehkreuz für Güter verwandeln, die für benachbarte Binnenländer bestimmt sind.

Chancen und Risiken für Afrikas führende Volkswirtschaften

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Ikemesit Effiong befürchtet jedoch, dass das Hafenabkommen die bestehenden Probleme noch verschärfen könnte, wenn die seit langem bestehenden Probleme, die die Häfen beeinträchtigen, nicht angegangen werden. "Wenn wir die konkreten infrastrukturellen Probleme lösen, aber nicht die Korruption und die kulturellen Probleme, denke ich, dass die Risiken für die gesamte Wirtschaft existenziell sind", so Effiong.

"Dann werden wir die Verschuldung in die Höhe getrieben haben - für Vermögenswerte, die immer noch unterdurchschnittlich abschneiden werden. Die Hersteller werden weiterhin das Land in Richtung Tema [in Ghana] und Lomé [in Togo] verlassen, und die Kosten der Importabhängigkeit werden die nigerianischen Verbraucher noch stärker belasten."

DW Deutsch

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