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Israels Luftangriffe auf Libanons Litani-Fluss

Israel treibt die Bodenoffensive im Süden Libanons voran und will eine Pufferzone zwischen Litani und der Landesgrenze errichten. Warum der Fluss im Nahostkonflikt strategisch so wichtig ist.

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Israels Luftangriffe auf Libanons Litani-Fluss
DW Deutsch Quelle: DW Deutsch

Ein kleiner Fluss ist zum Schauplatz der großen globalen Krisen geworden: Am Verlauf des 145 Kilometer langen Litani-Flusses im Libanon spiegeln sich nicht nur die Fronten des Nahostkonflikts wider. Die Region wird auch zunehmend in den Irankrieg hineingezogen.

Damit nicht genug: Am Litani-Fluss zeigt sich auch die aktuelle Schwäche des Völkerrechts. Denn trotz wachsender Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon läuft Ende des Jahres das Mandat der langjährigen internationalen UN-Mission UNIFIL aus, die seit 1978 Friedenstruppenin der Region stationiert hat.

Israel befiehlt Evakuierung

An der libanesischen Front des Irankriegs kämpft die vom schiitischen Iran finanzierte Hisbollah gegen die israelische Armee.  Diese versteht sich als Schutzmacht der schiitischen Bevölkerung im Libanon. 

Die Hisbollah wird von den USA, Deutschland und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation eingestuft. Die EU listet den bewaffneten Flügel der Hisbollah als Terrorgruppe. 

Die Hisbollah hatte Israel Anfang März mit zahlreichen Drohnen und Raketen beschossen. Die Luftangriffe sollten eine Vergeltung der Tötung von Irans Religionsführer Ali Chamenei sein, so das offizielle Statementder Miliz.

Nur wenige Tage zuvor, am 28. Februar, hatten Israel und die USA den Iran aus der Luft angriffen. Israel konterte die Drohnen- und Raketenattacken der Hisbollah mit Luftangriffen. Die Armee forderte die Bevölkerung im Süden des Landes auf, das Gebiet zu verlassen und sich nördlich des Litani-Flusses in Sicherheit zu bringen. 

Nach Angaben der libanesischen Regierung wurde durch die israelischen Angriffe rund 2000 Menschen getötet. Über eine Million Menschen befinden sich auf der Flucht.

Nach Angaben der israelischen Streitrkräfte (IDF) wurden zahlreiche Brücken zerstört, um Versorgungsrouten der Hisbollah abzuschneiden. Israelische Regierungsvertreter betonten mehrfach, sie wollten die Bedrohung der israelischen Bevölkerung im Norden des Landes durch den Beschuss von Drohnen und Raketen der Hisbollah beenden.  

Leid im Libanon: Zwischen der Front von Israel und Hisbollah

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Katz: "Sofort alle Brücken zerstören"

Israels rechtsextremer Verteidigungsminister Israel Katz kündigte am 24. März auf der Plattform X militärische Gewalt an: "Israels Politik im Libanon ist klar: Wo Terror und Raketen sind - dort gibt es keine Häuser und keine Bewohner", so Katz in einem Post. Die IDF werde die Pufferzone bis zum Litani-Fluss kontrollieren."

Er habe der IDF (Israel Defence Force) befohlen, "sofort alle Brücken über den Litani-Fluss zu zerstören, die für terroristische Aktivitäten genutzt werden, um den Durchgang von Hisbollah-Terroristen und Waffen nach Süden zu verhindern".

Außerdem solle die IDF "die Zerstörung libanesischer Häuser in den Grenzdörfern beschleunigen, um Bedrohungen für israelische Siedlungen abzuwehren - gemäß dem Modell von Beit Hanun und Rafah in Gaza". 

Die beiden von Katz genannten Orte im Gazastreifen haben laut israelischen Mediendurch israelische Militäroperationen massive Zerstörungen erlitten.

"Territorium von Nachbarländern besetzen"

Israels Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte gegenüber der Times of Israel, Israel solle seine Grenze zum Libanon bis zum Litani-Fluss vorverlegen. "Der Litani muss unsere neue Grenze zum Libanon bilden", zitierte ihn die israelische Tageszeitung.

Israel will Hisbollah endgültig ausschalten

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Die International Crisis Group geht davon aus, dass Israel "offenbar als Vorbereitung auf die Eroberung des 30 km breiten Streifen nördlich der Grenze wiederholt Räumungsbefehle für die Region erlassen und Brücken über den südlichen Abschnitt des Litani-Flusses bombardiert hat", heißt es in einer Analyse der International Crisis Group.

Das Land halte sich mit der Offensive nur zurück, so die Analyse, um die Trump-Regierung nicht zu verärgern. Denn diese würde es vorziehen, wenn Israel weiter mit den USA gegen den Iran vorginge anstatt sich im Libanon zu verstricken. 

Massenvertreibung im Südlibanon

Die Rolle des Litani-Flusses im israelisch-libanesischem Konflikt ist historisch verankert. Besonders tragisch waren die Ereignisse während der sogenannten "Operation Litani" der israelischen Streitkräfte im März 1978.

Im Zuge dieses militärischen Einsatzes marschierte die israelische Armee mit 25.000 Soldaten in den Libanon ein und besetzte das Gebiet südlich des Flusses Litani.

Dabei wurden zwischen 1000 und 2000 Personen getötet und nach Schätzungen der libanesischen Regierung rund 280.000 Menschen zeitweise vertrieben. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Südlibanon sind Schiiten.

Der Einmarsch war die Vergeltung für einen Anschlag der Fatah am 11. März 1978. Die palästinensische Partei agierte zu diesem Zeitpunkt vor allem als bewaffnete Miliz der PLO und nutzte den Süden Libanons als Basis für Angriffe auf Nordisrael. Bei dem Anschlag auf eine Küstenstraße in Nordisrael wurden 37 Menschen erschossen und 76 weitere Zivilisten verletzt.

Die Eskalation führte zur Gründung der internationalen UN-Friedensmission UNIFIL, die noch im selben Monat vom UN-Sicherheitsrat ins Leben gerufen wurde. Die Mission mit dem Hauptquartier in Nakura sollte dazu beitragen, eine Pufferzone zwischen dem Litani-Fluss und der 30 Kilometer entfernten Grenze zu Israel zu errichten.

Im August 2006 wurde das UNIFIL-Mandat durch die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates erweitert. Laut UN-Resolution sollte sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss zurückziehen. Doch Israel und die USA warfen den Blauhelmen immer wieder vor, die Hisbollah nicht genügend zurückzudrängen.

Im Zuge der 2025 angekündigten drastischen Kürzungen der USA für die UN und humanitäre Hilfe sanken auch die Beitragszahlungen für UNIFIL. Zusammen mit dem politischen Druck der USA und Israels führte dies dazu, dass die UN-Mission nicht mehr vom Sicherheitsrat verlängert wurde und daher Ende 2026 ausläuft.

Viele Menschen im Libanon befürchten, dass es nach dem Abzug der UN-Friedenstruppen zu weiteren Evakuierungen und letztendlich einer Grenzverschiebung kommen könnte. Statt der UN-Friedenstruppen könnten nun die israelischen Streitkräfte - wie von Israels Verteidigungsminister Katz angekündigt - "den Sicherheitsraum bis zum Litani-Fluss kontrollieren".

DW Deutsch

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