Zum Inhalt springen
Advertisement

Iran-Krieg: Attacke auf Tanker wegen Hormus-Blockade

Es sah nach einer weiteren Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran aus. Doch die Führung in Teheran hat ihre Drohung wahr gemacht: Der Persische Golf ist wieder abgeriegelt.

schedule 11:56 visibility 117 Aufrufe
Iran-Krieg: Attacke auf Tanker wegen Hormus-Blockade
DW Deutsch Quelle: DW Deutsch

Das wichtigste Nadelöhr der weltweiten Öl-Versorgung war wieder frei - allerdings nur für wenige Stunden. Im Konflikt mit den USA setzt der Iran seine Drohung um und riegelt die Straße von Hormus erneut ab. Schifffahrtskreisen zufolge haben einige Handelsschiffe eine Funkmeldung der iranischen Marine erhalten, dass kein Schiff mehr passieren dürfe.

Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten ließen sich nicht vom Iran "erpressen". Seine Regierung nehme gegenüber Teheran eine "harte Haltung" ein, bekräftigte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus.

Schüsse aus Kanonenbooten

Wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mitteilte, haben zwei Kanonenboote der Iranischen Revolutionsgarden ohne Vorwarnung auf einen Tanker in der Straße von Hormus geschossen. Der Kapitän des Tankers habe von dem Angriff nordöstlich von Oman berichtet. Auch ein weiterer Tanker soll von iranischen Einheiten gewaltsam an der Weiterfahrt gehindert worden sein.

Irans Armeeführung hatte zuvor bekanntgeben, die Meerenge werde "streng kontrolliert", solange die Vereinigten Staaten nicht die freie Schifffahrt zum Iran ermöglichten.

Erst am Freitag hatte die Führung in Teheran die Straße von Hormus unter Auflagen freigegeben. Wobei seither nur wenige Frachter, einige Tanker und ein leeres Kreuzfahrtschiff den Seeweg zwischen Persischem Golf und Indischem Ozean passierten.

Der Iran reagierte mit der erneuten Abriegelung auf die fortbestehende Blockade iranischer Häfen durch die Marine der USA. "Mit der Fortsetzung der Blockade wird die Straße von Hormus nicht offen bleiben", hatte Irans einflussreicher Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf an diesem Samstagmorgen gedroht.

Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldet, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, die "sogenannte Seeblockade" der USA stelle einen Verstoß gegen die Waffenruhe dar. Dies werde eine "angemessene Reaktion des Irans" zur Folge haben. 

US-Präsident Donald Trump zeigt sich in dieser Frage nicht kompromissbereit. Er will die Blockade iranischer Häfen aufrechterhalten, wenn kein Friedensabkommen mit dem Iran zustande kommt. Wie Trump am Freitagabend sagte, erwägt er auch, die Waffenruhe mit dem Iran nach ihrem Auslaufen am Mittwoch nicht zu verlängern. "Vielleicht werde ich sie nicht verlängern, aber die Blockade wird bestehen bleiben", sagte Trump vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One.

Optimismus an Bord der Air Force One

Vor der erneuten Hormus-Sperrung durch den Iran gab sich der US-Präsident zugleich optimistisch, was eine Verhandlungslösung angeht. Trump sagte, dass es "im Nahen Osten mit dem Iran ziemlich gut zu laufen scheint". Über das Wochenende werde verhandelt. Er erwarte einen guten Verlauf. "Vieles ist bereits verhandelt und vereinbart worden." Das Wichtigste sei, dass der Iran keine Atomwaffe erhalte.

Ein direktes Treffen zwischen den ⁠USA und dem Iran in Pakistans Hauptstadt Islamabad an diesem Wochenende scheint Diplomaten zufolge aus logistischen Gründen jedoch unwahrscheinlich. Dort waren Verhandlungen am vergangenen Wochenende ohne Einigung zu Ende gegangen.

Aus dem Weißen Haus verlautete, die Planungen liefen noch. Ein konkreter Termin sei bislang nicht angesetzt, sagte ein ranghoher US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur.

Pakistans Armeechef Asim Munir führte als zentraler Vermittler seit Mittwoch Gespräche in der iranischen Hauptstadt Teheran, die nun abgeschlossen sind, wie das pakistanische Militär mitteilte. Einem pakistanischen Insider zufolge könnte zeitnah eine erste Absichtserklärung vereinbart werden, auf die innerhalb von 60 Tagen ein umfassender Friedensvertrag folgen soll.

Weiter Streit ums Atomprogramm

In zentralen Streitpunkten herrscht jedoch weiterhin Unklarheit. Ein Kernproblem bleibt das iranische Atomprogramm, das vom Regime in Teheran als zivil deklariert wird. Viele Staaten befürchten allerdings, dass der Iran eine Atombombe bauen will. Insidern zufolge schlugen die USA zuletzt eine ⁠20-jährige Aussetzung aller nuklearen Aktivitäten vor, während der Iran einen Stopp von drei bis fünf Jahren anbot.

Trump sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die USA würden iranische Bestände an angereichertem ⁠Uran abtransportieren. Irans Außenministeriumssprecher Baghai wies dies im staatlichen Fernsehen zurück und betonte, das Material werde nirgendwohin gebracht.

Auch im Streit über eingefrorene iranische Vermögenswerte widersprachen sich beide Seiten: Ein hochrangiger iranischer Vertreter sprach von einer Einigung über die Freigabe von Milliardenbeträgen. Trump betonte hingegen auf einer Wahlkampfveranstaltung in Arizona, es werde "in keiner Weise" Geld fließen.

Im Iran schlugen ranghohe Geistliche wie Ahmed Chatami beim Freitagsgebet trotzige Töne an: "Unser Volk verhandelt nicht, während es gedemütigt wird", predigte Chatami.

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

DW Deutsch

Ursprünglich bei

DW Deutsch

open_in_new Vollständigen Artikel lesen

Verwandte Artikel

USA und Iran melden wechselseitigen Beschuss
Sport

USA und Iran melden wechselseitigen Beschuss

In Kuwait wurde mindestens ein Mensch getötet. Die OECD sieht gravierende Auswirkungen des Konflikts auf die Weltwirtschaft. In neuen Prognosen geht die Organisation von zwei verschiedenen Szenarien aus.

DW Deutsch
Trump: Wollen keine übereilte Vereinbarung mit Iran
Sport

Trump: Wollen keine übereilte Vereinbarung mit Iran

Ist bei den Gesprächen über ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran der lang ersehnte Durchbruch gelungen? Zunächst deutete US-Präsident Trump dies an. Stunden später relativierte er mal wieder seine Äußerung.

DW Deutsch
Schüsse in der Nähe des Weißen Hauses
Sport

Schüsse in der Nähe des Weißen Hauses

Während US-Präsident Trump im Weißen Haus ist, weil er an einer Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Kriegs feilt, kommt es draußen zu einem Schusswechsel. Der Secret Service erschießt einen mutmaßlichen Angreifer.

DW Deutsch

Weiterlesen