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Angriffe auf Akademiker: Wie bedroht ist die US-Demokratie?

Eine neue DW-Doku von Can Dündar zeigt, wie politischer Druck, Drohungen und Ideologie die US-Demokratie verändern. Im Fokus: Wissenschaftler, die zwischen Fronten geraten - und eine Gesellschaft im Wandel.

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Angriffe auf Akademiker: Wie bedroht ist die US-Demokratie?
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Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist täglich Thema in den Nachrichtenmedien weltweit. Inmitten dieser Flut an Informationen treten die Regisseure Demid Sheronkin und Can Dündar einen Schritt zurück. In ihrer DW-Dokumentation "Democracy Under Attack: Can Dündar and Trump's America", die am 14. April beim Human Rights Film Festival in Berlin Weltpremiere feierte, werfen sie einen Blick auf den Zustand von Meinungsfreiheit und Demokratie in den USA.

Wie der türkische Journalist Dündar bei der Premiere erklärte, suchte das Team nach einem Zugang, der dem rasanten Nachrichtenzyklus rund um Trump standhält. "Deshalb haben wir uns auf die Situation von Akademikern konzentriert - als eine Art Mikrokosmos für die Angriffe auf die Demokratie", sagte er.

Morddrohungen gegen Wissenschaftler

Unter den Hochschuldozenten, die für den Film interviewt wurden, steht Mark Bray exemplarisch für die zunehmenden Angriffe auf Akademiker durch die extreme Rechte.

Der Historiker der Rutgers University ist Autor des Buches "Antifa: The Anti-Fascist Handbook" und wurde auf eine Beobachtungsliste gesetzt, die 2016 von der rechtsgerichteten Organisation "Turning Point USA" (Wendepunkt USA) erstellt wurde und Professoren und Lehrkräften hinterherspürt.

Der rechtsgerichtete Aktivist und Podcaster Charlie Kirk, der im September 2025 ermordet wurde, hat Turning Point USA gegründet. Nach dessen Tod unterzeichnete Trump eine Verfügung, die die Antifa-Bewegung als "inländische Terrororganisation" einstufte. In der Folge nahmen die Drohungen gegen Bray deutlich zu - bis hin zu Morddrohungen. Studierende aus dem Umfeld von Turning Point USA warfen ihm vor, politische Gewalt zu fördern.

Als schließlich seine Privatadresse in einschlägigen E-Mails auftauchte, entschied sich Bray, der sich selbst nicht als Teil der dezentralen Antifa-Bewegung versteht, mit seiner Familie nach Spanien umzuziehen.

Im Film berichten Bray und seine Frau auch davon, dass sie etliche Hürden überwinden mussten, bevor sie die USA überhaupt verlassen konnten. So wurden ihre Flugbuchungen plötzlich auf geheimnisvolle Weise storniert, ohne dass sie darüber informiert wurden.

AmericaFest: Ein ideologisches Schlachtfeld

Besonders eindrücklich sind die Szenen vom AmericaFest 2025, dem ersten großen Treffen von Turning Point USA nach dem Tod von Charlie Kirk. Rund 30.000 Teilnehmer feierten ihn dort wie einen Märtyrer.

Regisseur Demid Sheronkin beschreibt die surreale Atmosphäre als beklemmend: "Es fühlte sich an wie eine Mischung aus politischer Kundgebung und Gottesdienst - ein Schlachtfeld und zugleich ein Festival."

Die Dokumentation zeigt, wie konservative Redner das MAGA-Publikum mit kämpferischen Reden aufstacheln. "Wir sind im Krieg", sagte etwa Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon. "In einem politischen und ideologischen Krieg."

Auch Ava Kwan, eine Studentin der Rutgers University, wurde auf der Bühne wie ein Popstar gefeiert. Sie hatte sich vehement für die Entlassung Brays eingesetzt. In der Doku erklärt sie, ihr Ziel sei gewesen, die Sicherheit der Studierenden zu gewährleisten. Die Drohungen gegen Bray bedaure sie, sehe sich dafür aber nicht verantwortlich. Auch sie selbst sei im Netz zur Zielscheibe geworden.

Doch die ideologische Spaltung im Land zeigt sich nicht nur auf solchen aufgeladenen Veranstaltungen. Zwar gelten Universitäten oft als eher liberal, doch auch dort finden sich extreme Positionen. So äußert die Juraprofessorin Amy Wax von der University of Pennsylvania im Film offen ihre Ansichten über die weiße Vorherrschaft. Wegen früherer umstrittener Aussagen ist sie vom Lehrbetrieb im Studienjahr 2025 / 2026 ausgeschlossen worden, behielt jedoch ihre Professur.

Als Erzähler des Films zieht Can Dündar Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen. Der türkische Journalist wurde aufgrund seiner Arbeit inhaftiert und gilt seitdem weltweit als Symbol für Pressefreiheit. Er überlebte ein Attentat und lebt seit 2016 im Exil in Berlin.

Da er in der Türkei als Straftäter gilt, reiste er für das Projekt nicht in die USA - auf Anraten seiner Anwälte. "Ich wollte kein Geschenk von Trump an Erdoğan sein", sagte er.

Für ein weiteres Interview für die Doku reiste Dündar jedoch nach Kanada. Auch dort wurde er bei der Einreise mehrere Stunden lang verhört - weil er als "Terrorist" gilt. In Toronto traf er den Faschismus-Experten und Philosophieprofessor Jason Stanley, der in Yale lehrte und ebenfalls die USA verlassen hat.

Stanley, dessen Eltern Holocaust-Überlebende waren, zeichnet ein düsteres Bild: "Die USA sind nicht in einer vorübergehenden Krise. Das Projekt USA ist gescheitert."

Dündar mahnt, diese Entwicklungen ernst zu nehmen: "Ich habe das Gefühl, dass eine neue Welle des Autoritarismus in der Türkei erprobt wurde - und sich jetzt weltweit ausbreitet. Ich kann es riechen, ich kann es spüren", sagte er. "Wir sehen die gleichen Anzeichen: den Abbau des Rechtsstaats, Angriffe auf die Medienfreiheit - so hat es angefangen."

Die besorgniserregenden Entwicklungen in den USA erinnerten ihn stark an das, was in der Türkei passiert sei. "Deshalb sage ich: Seid vorsichtig. Denn alles, was danach kommt, ist sehr schmerzhaft." Auch Europa müsse wachsamer werden: "Demokratie darf man nicht für selbstverständlich halten." Adaption aus dem Englischen: Silke Wünsch

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